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Bayern
Sonntag, 21. März 2010 14:09
Trotz klarer Worte kein Befreiungsschlag

Trotz klarer Worte kein Befreiungsschlag

Kirche in Deutschland bleibt auch nach Papst-Brief in der Defensive

München/Rom (ddp). Mitgefühl für die Opfer, eine Strafpredigt an die Bischöfe, die Verbrechen vertuscht haben, eine unmissverständliche Verurteilung der Taten - Papst Benedikt XVI. hat in seinem Hirtenbrief an die Katholiken in Irland zum Thema Kindesmissbrauch deutliche Worte gefunden. Aus Sicht der Kirche in Deutschland, die in diesen Wochen ebenfalls von Missbrauchsvorwürfen erschüttert wird, ist dieses Schreiben trotzdem nicht der erhoffte Befreiungsschlag: Der Forderung, sich endlich auch konkret zum Missbrauch durch Geistliche in Deutschland zu äußern, beugte sich Benedikt nicht.

Der Brief ist letztlich das, als was er seit Wochen angekündigt war: ein Schreiben an die Katholiken in Irland. Zwar stellt sich der Papst zu Beginn als «Hirte der weltweiten Kirche» vor und betont, dass Kindesmissbrauch kein rein irisches Problem sei. Insgesamt ist der umfangreiche Text aber explizit auf Irland zugeschnitten.

Diese Konzentration des Papstes auf Irland liegt nicht nur daran, dass das Ausmaß der bekanntgewordenen Missbrauchsfälle sowie deren Vertuschung durch hohe Würdenträger dort viel gravierender ist als bislang in Deutschland. Eine große Rolle dürfte auch spielen, dass Benedikt die Kirche in einem der katholischsten Länder Europas in existenzieller Gefahr sieht: Ausführlich schildert der Papst im Hirtenbrief die Bedeutung Irlands nicht nur für die Christianisierung Westeuropas, sondern auch für die Kirche in Afrika, Amerika und Australien.

Aus diesem Blickwinkel lässt sich die Beschäftigung mit der Lage in Irland durchaus als grundlegend für die gesamte Kirche sehen. Und sicher lässt sich vieles davon, was der Papst den Iren mit auf den Weg gibt, auch auf andere Länder übertragen: die Warnung vor Vertuschung, der Aufruf zur Zusammenarbeit mit der Justiz, die Forderung nach Erneuerung sowie die Entschuldigung bei den Opfern. So versichern denn auch die deutschen Bischöfe unisono, dass die Papst-Worte auch als Botschaft an die Kirche in Deutschland zu werten sind.

Die vom Vatikan eigens eingerichtete Internetseite zum Thema Missbrauch (resources.va) bietet einen Überblick darüber, wie oft sich der Papst schon zu Missbrauch geäußert hat. Dies dokumentiert, dass der Vorwurf, der Papst schweige zu diesem Thema, in der Tat eine «Mär» ist, wie es der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, kürzlich formulierte.

Allerdings bleibt es dabei, dass sich Benedikt öffentlich bislang mit keinem Wort konkret zu den Missbrauchsfällen in Deutschland geäußert hat. In der Öffentlichkeit wird dies ebenfalls als Schweigen gewertet. Ein Schweigen, das zunehmend zum Problem für die gebeutelte deutsche Kirche werden könnte, zumal es von immer neuen Vorwürfen flankiert wird. Neuerdings sieht sich sogar Zollitsch Vertuschungsvorwürfen ausgesetzt. Der DBK-Vorsitzende weist die Anschuldigungen zwar entschieden zurück. Doch die deutsche Kirche kommt weiterhin nicht aus der Defensive.

Auch beim wöchentlichen Angelusgebet am Sonntag ging der Papst bei der Begrüßung der deutschsprachigen Pilger einmal mehr nicht auf die Lage in seiner Heimat ein. Die Gelegenheit wäre günstig gewesen, denn Benedikt sprach über eine Bibel-Passage, in der es um den Umgang mit Schuld und Sünde geht. Er sprach vom «Weg der Umkehr und Erneuerung» und betonte: «Lernen wir, unnachgiebig mit der Sünde zu sein - angefangen von unserer eigenen - aber nachsichtig mit den Menschen.»

Radio Vatikan wertete diese Worte umgehend als indirekte Stellungnahme zur Missbrauchsdebatte in Deutschland. Die deutsche Kirche aber benötigt momentan mehr denn je ganz direkte Papst-Worte. Dass er solche Worte finden kann, hat er mit seinem Brief an die Iren gezeigt.

(ddp)




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